Warum unregulierte PCR-Massentests die „zweite Welle“ simulieren können

Dr. med. Thomas Quak, Karl Heinz Jansen, Fürstenfeldbruck 14.05.2020

Alle wissenschaftlichen, analytischen Untersuchungen unterliegen einer gewissen Schwankungs-breite. Diese werden gewöhnlich mit statistischen Betrachtungen beschrieben und bei Test-nachweisen mit den Begriffen Sensitivität und Spezifität definiert.

Für CoVid19 PCR Testungen liegen keine publizierten Daten zu Sensitivität und Spezifität der aktuellen Testsysteme vor.

Um Hypothesen aufstellen zu können vergleichen wir die Covid19 PCR Tests mit bekannten Sensitivitäten und Spezifitäten bei Influenza Viren. Diese liegen je nach Testverfahren für die Sensitivität bei 89% und für die Spezifität bei 94%.

Bei der folgenden Berechnung des PPV (positiv prädiktiver Wert = Wahrscheinlichkeit, dass ein Test richtig positiv anzeigt) gehen wir  für die CoVid19 PCR-Untersuchungen von noch besseren Werten aus und rechnen mit einer Sensitivität von 99% und Spezifität von 97%.

Die Prävalenz von aktiv Erkrankten in Bayern berechnen wir das aus folgenden Zahlen

Kürzel Wert
CoVid19 Positive getestete Personen in Bayern
(zwischen 24.04.2020 und 06.05.20), Quelle
PGPB 5.723
CoVid Dunkelziffer lauf Contra-Corona-Datenbank, Faktor DZ 11,46
Einwohnerzahl Bayern 2019 EWB 13.080.000
Prävalenz „aktiv“ positiver in Bayern zum 06.05.2020
wird berechnet über || PAP = PGPB * DZ / EWB
PAP 0,5%

Graphik

PPV zum 06.05.2020 für CoVid19 PCR (Abstrich-Untersuchungen). Die „Männchen“ bilden          die Verhältniszahlen ab.

PPV: positiv prädiktiver Wert ist die  Wahrscheinlichkeit, dass ein Test richtig positiv anzeigt.

Bei einer um den Faktor 11,46 (Dunkelziffer) angehobenen Prävalenz (0,5%) von aktiv Infizierten in Bayern zum 06.05.2020 beträgt der PPV 14,2 %. Was bedeutet dies:

Bei unregulierten PCR Reihenuntersuchungen (im Extremfall alle Bayern) sind die gefundenen Ergebnisse mit einer Wahrscheinlichkeit von 85,8 % falsch. Anders ausgedrückt: Testet man 1000 Personen, zeigt die PCR 35 positiv Infizierte an, von denen 30 falsch positiv sind. Nur 5 von 35 positiven Ergebnissen sind tatsächlich positiv.

Diese Datenlage ist natürlich wissenschaftlich nicht verwertbar, aus diesem Grunde versucht man in der Statistik die Randbedingungen (Prävalenz) durch ML-Schätzungen (maximum likelyhood) einzugrenzen. Dies wird erreicht, durch die Selektion der Probanden nach „hinreichendem Verdacht auf Infektion“. Solange nur Untersuchungen bei Patienten mit Fiebersymptomen, starken Grippeinfekten, direkter Kontakt zu nachweislich Infizierten etc. vorgenommen werden, ist eine erhöhte Prävalenz anzunehmen, so dass man von einem „ordentlichen Ergebnis“ ausgehen kann.

Der Konsens ist eindeutig. Die PCR-Untersuchungen auf Covid19 sind wahrscheinlich das beste im Moment zur Verfügung stehende Tool, um bei Patienten mit eindeutigen Krankheitserscheinungen zwischen Covid19 Erkrankung und „normaler“ Grippe zu differenzieren. Diese Untersuchungen sind eindeutig nicht geeignet, um in Reihenuntersuchungen unreguliert die Durchseuchung der Bevölkerung mit dem Virus zu detektieren.

Normalerweise verbessert man statistische Ergebnisse über die Anzahl der durchgeführten Untersuchungen. Im Falle der unregulierten PCR-Reihenuntersuchung ist dies äußerst kontraproduktiv. Unter der Prämisse, dass die Prävalenz 0 ist; d.h. keine Virusinfekte vorliegen, zeigt der Test nach obigen Berechnungen 30 Infizierte pro 1000 Tests an. Das bedeutet, kommt es wirklich zu unregulierten Massentests in Wuhan, ist die zweite Welle mit 3 % akut Infizierten schon mal gesetzt.

Wie eingangs erwähnt, sind zu den PCR Untersuchungen noch keine offiziellen Daten bezüglich Sensitivität, Selektivität und regulierter oder unregulierter Prävalenz veröffentlicht und es wäre nicht nur wünschenswert sondern schon unabdingbar, dass zu dieser Thematik zumindest vom RKI valides Datenmaterial der Öffentlichkeit freigegeben wird, sonst sind Verschwörungstheorien Tür und Tor geöffnet.

Fürstenfeldbruck 14.05.2020